Zu Besuch bei Helmut Zambo in Badenweiler

Der Sammler und sein Reich

Zu Besuch bei Helmut Zambo in Badenweiler

Die Kunstwerke hängen vom Fußboden bis zur Decke. Wilde Fotoübermalungen und Kreuze von Arnulf Rainer, expressive Schüttbilder von Hermann Nitsch, rätselhalft-surreale Bildwelten von Walter Navratil, dichte Fingermalereien von Louis Soutter und dazwischen immer wieder afrikanische Skulpturen. Angenehmes Tageslicht fällt über große Fenster in den hohen, zweigeschossigen Raum, davor breitet sich ein ausladender Garten aus, im Nebel sind die Bergumrisse der Vogesen zu erkennen. Wir, Christian Bauer und ich, sind zu Besuch bei Helmut Zambo in seinem Wohnhaus in Badenweiler, einem kleinen Kurort nahe an der französisch-schweizerischen Grenze. Der leidenschaftliche Kunstfreund und Sammler hat hier vor rund zwanzig Jahren ein Haus für sich und die Kunst gebaut. Ein Ort zum Leben, zum Verweilen, zum Staunen. Man kann es sich gut vorstellen, wie Zambo nach einem arbeitsreichen Tag hier den Abend mit seinen Werken verbringt, gemütlich auf der ausladenden Couch sitzend, in der Hand ein Glas Rotwein, im Hintergrund vielleicht klassische Musik. Einblick in die Sammlung Zambo mit Werken von Louis Soutter, Foto: Natascha Unkart
Als Gast, der das erste Mal in Zambos Kunstwelt eintaucht, weiß man anfangs nicht: Wohin soll man den Blick wenden? Die Dichte und Intensität der Arbeiten überwältigen. Doch bald beginnt man zu erkennen, zu fühlen, zu verstehen. Die Räume sind wohldurchdacht, die Wandgestaltungen trotz der dichten Hängung stimmig und klar komponiert. Zambo führt uns durch die von ihm selbst gestaltete Hängung, wie er nicht ohne Stolz betont. Das Sammeln und Arrangieren der Werke macht ihm große Freude. Als zuvorkommender Gastgeber liebt er es aber auch, seine Werke interessierten Kunstliebhabern zu zeigen, über sie zu erzählen.

Der Hauptraum wird von Arnulf Rainer dominiert. 1960 hat Zambo ihn erstmals besucht, hat ein erstes Werk mit monatlicher Ratenzahlung erworben. Als er dieses an die Wand gehängt hat, seien die anderen Werke heruntergefallen. „Sie konnten Rainer nicht standhalten“, betont der Sammler. Damit war seine Leidenschaft geweckt. „Wenn man Rainer gerecht werden will, muss man sehr viele Arbeiten von ihm haben.“ Helmut Zambo ist es wichtig, den Künstler auf seinem Lebensweg zu begleiten, in die Tiefe zu sammeln. Das unkonventionelle Konzept der „Petersburger Hängung“ hat er dann auch in zwei von ihm kuratierten Werkschauen in der Kunsthalle Krems angewandt und diese so zu seinem eigenen Wohnzimmer gemacht. Neben Arnulf Rainer war es eine Ausstellung über Johann Hauser. Dessen meist kleinformatige Zeichnungen – Frauen, Fluggeräte oder auch ein simples Herz – begegnen uns in intimeren Räumen im Obergeschoss. Im Dialog dazu sehen wir Adolf Wölfli oder auch Oswald Tschirtner. Und so öffnen sich immer wieder neue Bildräume: im Büro Malereien von August Walla und Gaston Chassiac, im Schlafzimmer zeichnerische Bilddichtungen von Günter Brus… 

Sammlung Zambo in Badenweiler, Foto: Natascha Unkart


Zu jeder Arbeit gäbe es eine Geschichte zu erzählen, so Zambo. Sein erstes erworbenes Kunstwerk? „Das war ein abstraktes Hundertwasseraquarell, mit 16 Jahren gekauft.“ Sechzig Jahre später ist eine einmalige Kunstsammlung in Badenweiler und Wien entstanden und die Sammelleidenschaft ungebrochen. Helmut Zambo wird heute beim Expertengespräch „Tiefensammler aus Leidenschaft“ einiges zu erzählen haben.

Günther Oberhollenzer

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden