Ein Kunstsammler, wie es nur einen gibt

Helmut Zambo

Ein Kunstsammler, wie es nur einen gibt

Helmut Zambo ist ein bemerkenswerter Mensch. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich ihn vor mehr als 20 Jahren kennenlernen durfte. Ich war damals Marketingleiter des Kunstforums in Wien und erlebte hautnah, wie der leidenschaftliche Sammler eine große Arnulf-Rainer-Retrospektive in der Kunsthalle Krems vorbereitete. Schon damals besaß Zambo rund 300 Werke des Künstlers und war wohl einer der intimsten Kenner seines Schaffens. Warum aber hat er sich so ausführlich mit mir beschäftigt? Eigentlich weiß ich das nicht, doch wahrscheinlich wollte er sich anschauen, wie das Kunstforum mit großen Personalausstellungen umgeht, und neben Klaus Schröder und Ingried Brugger hat er auch mit mir ausgedehnte Gespräche geführt. Dabei konnten wir alle wohl mehr von ihm lernen als umgekehrt, denn Zambo wollte komplett anders an die Sache herangehen.

Das Alleinstellungsmerkmal der Kremser Ausstellung lag darin, dass Zambo keine klassischen Formate bedienen wollte. Es lag ihm einfach fern, Konzepte und Präsentationen zu kopieren, Museumshängungen und Schildchen waren ihm ein Gräuel. Er ging an die Aufgabe mit seinem gesamten Wissen, seiner Lebenserfahrung und seinem persönlichen Stil heran. Die Folgen waren weitreichend und Krems wurde sozusagen zu seinem Wohnzimmer. Die Werke Arnulf Rainers konnten nun in einer dichten Hängung als neuartiges ästhetisches Vergnügen in einen Dialog treten. Für den Besucher ergab sich dadurch ein neuer Blick auf Arnulf Rainer, und für viele ist die Kremser Retrospektive das Schönste, was es an Rainer-Ausstellungen bis heute gegeben hat (zumindest in Österreich). Auch Johann Hauser durfte einige Jahre später gleichermaßen opulent in Krems gastieren, und wieder entstand eine singuläre Ausstellung in Zambos Handschrift. Mit Superlativen bin ich hier nur deshalb vorsichtig, weil die gegenwärtige Hauser-Ausstellung im Museum Gugging (samt Buch!) wohl das Beste ist, was dem Künstler bislang widerfahren ist.

Mit Rainer und Hauser sind zwei Künstler genannt, die Zambo über Jahrzehnte begleitet und gesammelt hat. Zambo hat sein Engagement als „Tiefensammler“ auf wenige Persönlichkeiten konzentriert (neben Rainer und Hauser sind dies Günter Brus, Walter Navratil und Gaston Chaissac). Die insgesamt 8.000 Werke umgeben Zambos Lebensräume in Wien und Badenweiler in einzigartiger Weise. Die vielen Etagen mit zentralen Werken der Moderne kann der Kunsthistoriker nur unzureichend mit „Petersburger Hängung“ beschreiben. Das Wesen dieser Präsentation, die voller Qualität und Sinnlichkeit auf den Betrachter wirkt, trifft diese Definition nicht. Es ist einfach großartig!

Helmut Zambo ist ein wichtiger Begleiter der neuen Landesgalerie. Neben dem Privileg, wichtige Teile seiner Sammlung dort präsentieren zu dürfen, werden wir mit Helmut Zambo in Krems wunderbare Erlebnisse teilen. Ich bin mir da so sicher, weil jede Begegnung mit dem charismatischen Sammler für mich etwas Besonderes ist, und ich denke, dass unser neues Museum auch wieder ein wenig zum Wohnzimmer Zambos werden kann, das nun zum dritten Mal in Krems eingerichtet wird.

Ende August werde ich mit Günther Oberhollenzer in Badenweiler bei Helmut Zambo zu Gast sein und über Kunst, Ausstellungen, Qualitätsfragen, Werke und wohl noch einiges andere reden. Am 13. September um 18.30 Uhr werden wir in Krems die zentralsten Fragen des Sammelns beleuchten. Eine Frage mit Antwort vorweg: Warum muss man Kunstwerke eigentlich besitzen? Helmut Zambo: „Zwischen dem Sehen und Besitzen eines Bildes liegen Welten. Stellen Sie sich vor, Sie haben den Partner Ihrer Träume gefunden und können ihn nur aus der Ferne anschauen. Die Nähe des Bildes zu wissen ist eine Wohltat. Selbst wenn aus Platzmangel einmal ein Stück in das Lager wandert.“ Das ist doch überzeugend, oder?

Christian Bauer

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