Direktor Christian Bauer über den letzten Maler des Barocks und zugleich ersten Künstlerstar europäischen Formats in Niederösterreich. © Foto: Lukas Beck

Wer war Der Kremser Schmidt?

Direktor Christian Bauer über den letzten Maler des Barocks und zugleich ersten Künstlerstar europäischen Formats in Niederösterreich.

Martin Johann Schmidt – Der Kremser Schmidt

Martin Johann Schmidt ist der letzte Maler des Barocks und zugleich der erste Künstlerstar europäischen Formats in Niederösterreich. Leben und Schaffen des Künstlers verliefen in Krems-Stein in stabilen Bahnen, während sich die Welt gleichzeitig radikal veränderte. Die Lebenszeit des Künstlers reicht von der Regierung Karls VI. über die Epoche Maria Theresias, die Periode der Reformen Joseph II. bis zu Franz II. und den Napoleonischen Kriegen.
Geboren am 25. September 1718 in Grafenwörth war Schmidt Schüler des Malers Gottlieb Starmayr und hatte als Malergehilfe die Chance, in Dürnstein und Göttweig eine reichhaltige grafische Sammlung zu studieren. Lebenszentrum, Schaffensraum und Firmensitz seines überaus erfolgreichen Unternehmens waren in Stein und so ist es naheliegend, dass der Künstler zahlreiche Aufträge für Klöster und Kirchen aus der näheren und weiteren Umgebung erhielt. Die Pfarrkirche in Stein und die Piaristenkirche Krems machten hier den Anfang. Später schuf er in seinem Heimatort Werke für zahlreiche Nachbarländer und war wohl der erste Künstler Niederösterreichs, der sich mit seinem Künstlerdasein eine Stellung an der Spitze der Gesellschaft erarbeiten konnte.
Neben dem sakralen Werk erweitert Schmidt in den 1780er Jahren seine Bildwelt um mythologische Darstellungen, Genreszenen und Charakterköpfe, die sich an niederländischen Vorbildern des 17. Jahrhunderts orientieren. Diese Vorbilder konnte er in seiner umfassenden Sammlung europäischer Kunst studieren, die alleine 12.000 Radierungen vereinte. Dadurch war es dem Künstler möglich, Wissen über europäische Kunstgeschichte zu erwerben, Vorlagen weiterzuentwickeln und für seine Werkstatt und seinen Schülerkreis verfügbar zu machen, ohne dass nur eine einzige Auslandsreise Schmidts nachweisbar ist.
Als Schmidt am 28. Juni 1801 83jährig in Stein starb, hinterließ er ein gewaltiges Werk. Schmidt gelang es, seine Zeitgenossen zu erreichen und zu faszinieren. Seine Kunst arbeitet in einer – gemessen an heute – bildarmen Zeit mit spektakulären Effekten, mit einer ungemein spannenden Lichtführung und mit vielen Elementen, die den Betrachtern des 18. und 19. Jahrhunderts aus deren Lebenswelt vertraut waren, wodurch ihn Rupert Feuchtmüller zu Recht als Künstler mit einem „im besten Sinne volkstümlichen“ Schaffen charakterisiert.

Christian Bauer, Juni 2018

Weltberühmt in Krems Foto Lukas Beck (1)


Weltberühmt in Krems Foto Lukas Beck (2)

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