Kurator Günther Oberhollenzer über den Kremser Querdenker und Universalkünstler Padhi Frieberger.

Wer war Padhi Frieberger?

Kurator Günther Oberhollenzer über den Kremser Querdenker und Universalkünstler Padhi Frieberger.

Geburtsort und Geburtsjahr von Padhi Frieberger sind ein Rätsel, wie so vieles in seinem Leben und Werk: wurde er in Krems, Bezirk Meidling, geboren oder, wie andere Quellen schreiben, in Wien? Im Jahre 1931 oder doch bereits 1929? Vieles in Friebergers Biografie ist schwer greifbar. Sein Schaffen lässt sich nicht konsequent zuordnen, da die Werke zu vielfältig sind und sich dadurch einer Kategorisierung entziehen. Der Unangepasste war auch bei vielen künstlerischen Bewegungen und Aktionen dabei, ohne aber namentlich genannt zu werden.
„Hier arbeitet ein Genie – und keiner merkts“, so charakterisierte Frieberger selbst augenzwinkernd seine Kunst. Autonom, anarchisch, hochpolitisch: mit feinem Humor verweigerte sich der Querdenker und Universalkünstler den Regeln und der Geschäftigkeit des Kunstmarktes, Zeit seines Lebens galt er als unangepasst und Außenseiter der österreichischen Kunstszene. Anfang der 1950er Jahre begann Frieberger sein künstlerisches Schaffen mit inszenierten Fotografien, Montagen und einer Reihe von Künstlerporträts. In jener Zeit lebte er in einer Lebens-und Künstlergemeinschaft mit Maria Lassnig. Von 1960 bis 1974 bewohnte er das ruinöse Schloss Hagenberg bei Mistelbach – in Abgrenzung zur „bornierten Wiener Philister- und Kunstspießergesellschaft“. Gleichzeitig wurde Hagenberg zu einem Treffpunkt der Wiener Künstler- und Literatenszene. Gäste waren unter anderem Friedensreich Hundertwasser, Walter Pichler, Elfie Semotan, Kurt Kalb, Oswald Wiener, Raimund Abraham oder André Heller. Zeitweise trat Frieberger auch als Jazzmusiker bei Fatty George im Art-Center in Wien auf.
Im Geiste der 68er Bewegung rieb er sich an den gesellschaftlichen Zuständen, besetzte die Arena oder die Hainburger Au, was ihn zu einem Pionier der Grün-Bewegung machte, und ironisierte die österreichische Vergangenheitsseligkeit mit einem „Scheißbraunen Lipizzaner“. Spät erst war sein Werk in Ausstellungen zu sehen. Im Jahre 1981 fand Friebergers erste Einzelausstellung in der Galerie Julius Hummel in Wien statt, 2001 erhielt er den Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst, 2007 widmete ihm das MAK eine umfassende Einzelpräsentation. 2011 zeigte das Forum Frohner der Kunsthalle Krems anlässlich des 80. Geburtstags die Ausstellung „Padhi Frieberger. Glanz und Elend der Moderne“.
Frieberger starb am 9. Jänner 2016 in Wien. Seit 2016 befindet sich der Nachlass des Künstlers in der Österreichischen Galerie Belvedere und wird wissenschaftlich aufgearbeitet. Zahlreiche Werke werden aber auch im Wien Museum und in den Landessammlungen Niederösterreich aufbewahrt.

Günther Oberhollenzer

 

Weltberühmt in Krems Foto Lukas Beck

Weltberühmt in Krems Foto Lukas Beck

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Fotos: Lukas Beck

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